Ganzheitliche Wundbehandlung – der Mensch im Fokus

Gemeinsam versorgen. Kompetenzen verbinden. Kontinuität schaffen, Lebensqualität gewinnen.

Menschen mit chronischen und komplexen Wunden brauchen mehr als den richtigen Verband. Sie brauchen eine gesicherte Diagnose, die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankungen und eine Versorgung, bei der Hausärztinnen und Hausärzte, spezialisierte Fachärztinnen und Fachärzte, Spital, Spitex, Pflegeheime und weitere Gesundheitsberufe koordiniert zusammenarbeiten.

Genau hier unterstützt das Wundnetzwerk Zentralschweiz. Wir verbinden vorhandene Kompetenzen zu einer integrierten Wundversorgung – regional, interprofessionell und sektorenübergreifend.

Eine Wunde hat eine Ursache

Eine chronische oder komplexe Wunde ist häufig Ausdruck einer oder mehrerer zugrunde liegender Erkrankungen. Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus, Venenleiden, Druckbelastungen, Infektionen, Autoimmun- und Tumorerkrankungen, postoperative Komplikationen, Mangelernährung oder funktionelle Einschränkungen können ihre Entstehung und Heilung beeinflussen.

Deshalb beginnt gute Wundversorgung nicht mit der Auswahl eines Verbandmaterials. Sie beginnt mit einer fundierten medizinischen Diagnostik. Chronische, komplexe, rezidivierende oder auffällig schlecht heilende Wunden benötigen eine ärztliche Ursachenabklärung – je nach Situation hausärztlich oder durch eine entsprechend spezialisierte Fachärztin bzw. einen Facharzt. Auf dieser diagnostischen Grundlage wird gemeinsam mit Pflege und weiteren beteiligten Gesundheitsberufen ein individueller Behandlungs- und Versorgungsplan entwickelt.

Erkennen → Diagnostizieren → gemeinsam planen → koordiniert behandeln → Verlauf überprüfen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Menschen mit komplexen Wunden bewegen sich häufig zwischen Spital, Hausarztpraxis, Facharztpraxis, Spitex, Pflegeheim, Therapie und Versorgung zu Hause. An diesen Übergängen können Informationen verloren gehen, Zuständigkeiten unklar bleiben oder Leistungen doppelt erfolgen. Das Wundnetzwerk möchte diese Schnittstellen zu Verbindungen machen. Die Versorgung orientiert sich am individuellen medizinischen, pflegerischen, funktionellen und sozialen Bedarf des Menschen – nicht an institutionellen Grenzen.

  • Hausärztliche Versorgung: kennt den Menschen, seine Erkrankungen und seine Lebenssituation.
  • Spezialisierte ärztliche Wundmedizin: sichert bei komplexen Verläufen Diagnose und Differenzialdiagnosen, führt regelmässiges Wunddebridement und nötige chirurgische Eingriffe durch und koordiniert die medizinische Therapie.
  • Spital und spezialisierte Ambulatorien: übernehmen die notwendige spezialisierte Diagnostik und Behandlung und gestalten den Übergang zurück in die ambulante Versorgung.
  • Spitex und Pflege: gewährleisten Kontinuität im Alltag, setzen den abgestimmten Behandlungsplan um, beobachten den Verlauf und melden relevante Veränderungen frühzeitig zurück.
  • Weitere Gesundheitsberufe: ergänzen die Versorgung bedarfsgerecht – Podologie, Lymphtherapie, Physiotherapie, Ernährungsberatung, Apotheke, Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik und Palliative Care.
  • Patientinnen, Patienten und Angehörige: sind aktive Partner. Ihre Bedürfnisse, Möglichkeiten, Lebensqualität und Therapieziele werden systematisch berücksichtigt.

Ein Netzwerk statt vieler Einzelkontakte

Unser Ziel ist eine Versorgung, bei der nicht jede beteiligte Stelle wieder von vorne beginnt. Diagnosen, Therapieziele, Zuständigkeiten und Eskalationswege sollen nachvollziehbar sein. Die richtige Fachperson soll frühzeitig einbezogen werden und die Versorgung möglichst dort stattfinden, wo sie für den Menschen sinnvoll und sicher ist.

Wir wollen dadurch die ätiologische Abklärung beschleunigen, Chronifizierung und Komplikationen möglichst vermeiden, Behandlungspfade klären, stationär-ambulante Übergänge verbessern, Doppelspurigkeiten reduzieren, Gesundheitsfachpersonen entlasten und Lebensqualität, Mobilität und Selbstständigkeit erhalten.

Qualität entsteht nicht durch möglichst viele Leistungen, sondern durch koordinierte Leistungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Vom Spital sicher in die ambulante Versorgung

Eine besondere Aufgabe liegt an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Patientinnen und Patienten mit komplexen Wunden benötigen nach einem Spitalaustritt häufig mehrere gleichzeitig beteiligte Leistungserbringende.

Das Netzwerk will ermöglichen, dass die notwendige ambulante Weiterbetreuung bereits vor dem Austritt organisiert wird: hausärztliche Betreuung, spezialisierte ärztliche Wundversorgung, Spitex oder Pflegeheim sowie weitere erforderliche Professionen werden frühzeitig einbezogen und der Behandlungsplan wird nachvollziehbar übergeben. So entsteht Versorgungskontinuität und Sicherheit.

Versorgung / Austritt koordinieren

Hilfe finden – für Betroffene und Angehörige

Wer eine chronische oder komplexe Wunde hat, findet hier Hilfe, welche Institution oder Berufsgruppe zuständig ist. Wählen Sie Ihren Bedarf – danach zeigen wir die geeigneten Anlaufstellen:

Was 2015 begann, wird heute zur integrierten Gesundheitsversorgung

Das Wundnetzwerk wurde 2015 aus der praktischen Erfahrung heraus von drei sehr erfahrenen Pflegekräften und einer niedergelassenen Chirurgin gegründet. Bei komplexen Wunden fehlt häufig das Fachwissen und die Verbindung zwischen den Menschen und Institutionen, die diese Patienten ganzheitlich betreuen. Bereits damals wurden Fachpersonen verschiedener Berufsgruppen zusammengebracht, Qualitätszirkel, Symposien und die Zentralschweizer Wundfachmesse aufgebaut und der Austausch über Institutions- und Berufsgrenzen hinweg gefördert.

Dr. med. Sabine Heselhaus in ihrer Wundsprechstunde Seit über 30 Jahren behandle ich Wunden – an chirurgischen Fachabteilungen in Spitälern, fünf Jahre im Zentrum für komplexe Wunden des Luzerner Kantonsspitals, seit 2015 in meiner eigenen Praxis, oft auch zuhause oder im Pflegeheim bei den Patienten. Dabei sind eine gesicherte medizinische Diagnose und die Beseitigung der Ursache genauso wichtig wie die Zusammenarbeit zwischen Spital, Praxis, Spitex, anderen Gesundheitsberufen und Angehörigen. Dafür haben wir 2015 dieses Netzwerk und den Verein gegründet – und sind beim BAG als Modell guter Praxis für die interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen gelistet. Dr. med. Sabine Heselhaus, Präsidentin · Zum Vorstand →

Heute erhält dieser Ansatz eine neue gesundheitspolitische Bedeutung. Der Kanton Luzern fördert mit dem Planungsbericht zur integrierten Gesundheitsversorgung Luzern (IGeL) die patientenzentrierte, verbindliche, interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit sowie den Auf- und Ausbau spezialisierter Gesundheitsnetzwerke. Wir beginnen deshalb nicht bei null. Wir entwickeln weiter, was aus der Versorgungspraxis heraus seit 2015 gewachsen ist: vom Fachnetzwerk zur verbindlichen integrierten Versorgungsstruktur.

Die nächste Entwicklungsstufe in Entwicklung

  • Wundleitstelle: zentrale Orientierung und Koordination für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen.
  • Gemeinsame Behandlungspfade: definierte Abläufe von Diagnostik und Therapie bis zur ambulanten Weiterbetreuung und Reevaluation.
  • Interprofessionelle Fallbesprechungen: gemeinsame Beurteilung komplexer Versorgungssituationen.
  • Fortbildung und Qualitätsentwicklung: Qualitätszirkel, praxisnahe Fortbildungen und Wundfachmesse als Instrumente eines gemeinsamen Versorgungsverständnisses.
  • Wissenschaftliche Begleitung: Evaluation von Versorgungsqualität, Lebensqualität, Prozessqualität, Mitarbeitendenperspektive und Wirtschaftlichkeit.
  • Digitale Unterstützung: Wunddokumentation, Telemedizin und strukturierte digitale Aufnahme können die Versorgung unterstützen – datenschutzkonform und anschlussfähig an die kantonalen und nationalen Entwicklungen.

Was ist für den Patienten ein gutes Ergebnis?

Nicht allein die Geschwindigkeit der Wundheilung entscheidet über die Qualität der Versorgung. Bei geriatrischen, multimorbiden, onkologischen oder palliativen Patientinnen und Patienten sollten mehrere Therapieziele berücksichtigt werden. Im Mittelpunkt stehen deshalb neben dem Wundverlauf insbesondere Lebensqualität, Schmerz, Mobilität, Selbstständigkeit, Sicherheit, Vermeidung von Komplikationen, Belastung der Angehörigen und Pflege und Kontinuität der Versorgung.

Die Versorgung orientiert sich an den Bedürfnissen des Menschen und seinem Umfeld.

Wissen teilen. Qualität gemeinsam entwickeln.

Ein Gesundheitsnetzwerk lebt von Menschen, die miteinander arbeiten. Qualitätszirkel, Workshops, Fortbildungen und die Zentralschweizer Wundfachmesse bringen Ärztinnen und Ärzte, Pflege, Spitex, Langzeitpflege, Therapieberufe, Orthopädietechnik, Podologie, Apotheken, Wissenschaft, Medizintechnik, Anbieter von Wundprodukten und weitere Partner zusammen. Dabei geht es nicht nur darum, Wissen über Wunden zu vermitteln. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis davon, wer wann welche Aufgabe übernimmt, wann eine spezialisierte Abklärung erforderlich ist und wie Versorgung über Berufs- und Institutionsgrenzen hinweg kontinuierlich gestaltet werden kann.

Wir wollen nicht nur mehr Wissen über Wunden vermitteln. Wir wollen besser zusammenarbeiten und miteinander versorgen.

Teil des Netzwerks werden

Das Wundnetzwerk steht Fachpersonen und Organisationen offen, die zu einer besseren Versorgung von Menschen mit chronischen und komplexen Wunden beitragen möchten. Dazu gehören unter anderem Hausärzteschaft, spezialisierte Fachärztinnen und Fachärzte, Spitäler, Spitex, Pflegeheime, Wundexpertinnen und Wundexperten, Podologie, Physio- und Lymphtherapie, Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Apotheken, Ernährungsberatung, Palliative Care, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie weitere Gesundheitsberufe.

Der Kanton Luzern fordert und fördert die integrierte Gesundheitsversorgung – als Mitglied gestalten Sie die integrierte Wundversorgung der Zentralschweiz mit.